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Im Zeichen des Skorpions Geborene sind ja eigentlich schon gestraft genug, möchte man meinen. Launisch seien sie, unberechenbar, giftig - kurzum, mit ihnen sei nicht ganz so gut Kirschen essen - heißt es.
Das kann man Johannes Scherer, der über die einst schweren Herzens getroffene Entscheidung, auf ein B. nach seinem Rufnamen zu verzichten, mittlerweile gottfroh ist, aber nicht nachsagen. Was allerdings auch daran liegen mag, dass er am 8. Februar im unterfränkischen Alzenau und also als Wassermann das dort nicht ganz so grelle Rampenlicht der Welt erblickte. Er ist mithin also treu, ordnungsliebend, zuverlässig....
Doch nicht nur das hat seine Frau Mama ganz prima hingekriegt. Mit der Produktion von Klein-Johannes hat sie so lange gewartet, dass er beim Kreiswehrersatzamt erst gar nicht mit einem Koffer voller Atteste, die eine gekrümmte Wirbelsäule, Spreiz- und Senkfüße oder ekelerregende Ekzeme nachweisen, antanzen musste. Zwei wesentlich ältere Brüder, von ihm bisweilen gerne auch als „meine Opas" vorgestellt, lassen ihn Bund noch immer mit „T" schreiben.
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Diese Männererfahrung blieben ihm also erspart (was ihn auch weiterhin seinem Hobby als Ausschläfer frönen ließ), hatte er doch schon schwer genug daran zu tragen, dass er im Landkreis Aschaffenburg, genauer in einem stillen Örtchen namens Schöllkrippen, aufgewachsen ist. Vielleicht war es das, was ihn krank, schwach, zerbrechlich machte und ihn ein Großteil seiner Kindheit in norddeutschen Kurorten und -Sanatorien verbringen ließ.
Derart aufgepäppelt konnte den eloquenten Jungdynamiker nichts und niemand mehr daran hindern, Höchstleistungen zu vollbringen. Sein Abitur baute er 1992 am elitären Spessart-Gymnasium in Alzenau (die Durchschnittsnote bleibt eine seiner größten Lebenslügen), obwohl er schon da reichlich Unfug im Sinn hatte und nicht davor zurückschreckte, als freier Mitarbeiter beim Aschaffenburger Privatradio Primavera in die Ohrmuscheln ahnungsloser Unterfranken zu kriechen. Selbst massive öffentliche Proteste, Hungerstreiks und an die Fahrradständer der Senders gekettete ältere Hörer konnten die Chefs nicht davon abhalten, Johannes S. den Karrieresprung zu ermöglichen und ihm ein Volontariat zu geben.
Was sollten sie auch tun? Den Kerl wollte doch sonst keiner behalten. Hoffnungen, er könne bei seinen Reisen ans Ende der Welt, beispielsweise nach Neuseeland, Gefallen an der Schafzucht finden zerschlugen sich ebenso wie die Vorstellung, Johannes verdinge sich besser als Hot-Dog-Verkäufer in den Straßenschluchten New Yorks oder finde als Whiskeytester in Irland doch viel eher sein Lebensglück.
Die Erkundung (ihm bisweilen gar nicht so fremder) Sitten und Gebräuche blieben aber ebenso nur Hobby wie das Studieren amerikanischer Hoch-Kultur in Vorlesungssälen wie Kinopolis oder Cinemax.
Doch damit nicht genug: Weil er halt schon mal da war und nicht wieder weg ging, wurde er Ende 1993 in den Stand eines Radio-Primavera - Redaktionsleiters erhoben. Jetzt hatte der gute Mann auch endlich einen Titel, die Unterfranken ihn aber auch bald gesehen. Eines schönen Oktobertages anno 1994 packte Johannes Scherer sein Bündel und machte sich auf in die große Stadt. Seitdem gibt er den Moderator und Redakteur bei HIT RADIO FFH. |
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